Denis Sandmann

Taub Stumm Blind – Wie ich hören, sehen und fühlen lernte

Fakten zum Buch:
Veröffentlichung: 2011
Wortanzahl: 5800
Verfügbare Formate: E-Book und Print

Das Buch Taub Stumm Blind – Wie ich hören, sehen und fühlen lernte, ist der erste längere Text, den ich geschrieben habe. Zur Zeit der Veröffentlichung war ich ungefähr 16 Jahre alt. Ich lebte schon seit einigen Monaten in meiner eigenen Wohnung in der City von Lingen (Ems) und war hin und hergerissen. Meine Eltern geschieden, ich grad bei meinem Vater ausgezogen. Kurz davor meinen Realschulabschluss zu machen, zweifelte ich an dem System, an dem ich bald teilhaben sollte. Ich machte mir zum ersten Mal Gedanken darüber, wie ich wirklich leben will und was ein alternativer Lebensstil für mich und meine Zukunft bedeuten könnte. Gedanken, die mir in den Sinn kamen, durch meinen Alltag. Schule war für mich wie Gefängnis. Berufsvorbereitende Maßnahmen der Weg in ein langweiliges Leben und Alternativen sah ich zunächst keine.

Die Zeit vor dem Buch war für mich eine sehr dunkle Zeit. Ich erkannte, dass die Welt letztendlich ein Ort ist, an dem es alles und nichts gibt. Egal was du tust, der Welt ist es eigentlich völlig egal. Menschen, Tage und Gedanken zogen an mir vorbei. Ich fühlte mich wie in Fremder in einer fremden Welt.

Während man darüber nachdenkt, ob man das was die Welt für einen bereithält, wirklich annehmen möchte oder ob man sich lieber vorerst verabschiedet, dann schwebt man. Täglich denkt man darüber nach. Tu ich es? Tu ich es nicht? Der Tod ist die letzte Option, wenn einfach nichts mehr geht.

Ich habe mich irgendwann dagegen entschieden und gedacht, wenn ich lebe, dann richtig, dann 100 % so, wie ich mir das vorstelle und wenn ich so zurückblicke, dann habe ich mich bis jetzt ganz gut geschlagen. Ich hatte nie einen richtigen Job, hab immer irgendwie das gemacht, was mir Spaß machte, und konnte trotzdem auf eigenen Füßen stehen. Ich bin viel um die Welt gereist und habe viele interessante Menschen kennengelernt. Taub Stumm Blind, gibt einen tiefen Einblick in den Wandel, den ich zu der Zeit machte und wie mich die taub-stumm-blinde Gesellschaft mein Leben überdenken ließ.

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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

  1. Grund und Absicht
  2. Wer bin ich und was will ich?
  3. Das Problem Mensch
  4. Verdrängen Verdrängen Verdrängen
  5. Was hielt mich fest?
  6. Also weg mit der Sicherheit?
  7. Okay bin bereit, was dann?
  8. Fühl dich nie vollständig!
  9. Angst
  10. Das Wesentliche
  11. Optimismus ist Pflicht!
  12. Was hat sich geändert?

Er stand auf, nahm seine Handschuhe, zog seine Jacke zu und sagte: „Es gibt Dinge die tut man mit dem Verstand, und es gibt Dinge die tut man mit dem Herz.“

„Und was heißt das?“, fragte Sie.

Er beugte sich hinter ihr Ohr und schon im Gedanken an die Antwort, lag die erste Träne auf der Haut. Er flüsterte:

„Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die Dinge die man mit dem Herzen tut besser sind.“

Grund und Absicht

Zu entscheiden, welchen Weg man in seinem Leben wählt, ist meist schwer. Geh ich links, geh ich rechts oder bleib ich mal kurz stehen und schau mich um? Wir stehen jeden Tag vor 2 Türen, sitzen auf 2 verschiedenen Stühlen und müssen uns für eine Seite entscheiden. Doch warum fällt es vielen Menschen so schwer, ihr Leben einfach in die Hand zu nehmen, Verrücktes zu tun und Neues zu schaffen? Was ich hier niederschreibe, beschreibt zum einen den Wandel, den ich gemacht habe, von einem sehr passiven, unglücklichen und einsamen Menschen zu dem, der ich heute bin. Zum anderen Gedanken aus meinem Leben. Dies ist meine Wahrheit, diese ist für mich richtig. Ich möchte niemandem etwas aufzwingen. Ich hoffe einfach, dass jemand der dieses Buch liest, etwas damit anfangen kann, Spaß daran hat und daran wächst.

Dies ist ein Buch für Menschen. Für Menschen, die den Menschen in sich entdecken wollen. Für alle, die auf der Suche sind nach mehr.

Wer bin ich und was will ich?

Diese Fragen konnte ich lange Zeit nicht mal ansatzweise beantworten. Doch gerade diese 2 sind so wichtig geworden für mich. Ich war weg, abwesend, nicht vorhanden, irgendwo abgestellt und vergessen. Fast tot kann man sagen. Ja einfach sehr passiv. Meine Tage wiederholten sich. Menschen wiederholten sich, Ereignisse wiederholten sich. Wo sind all die Farben? Wohin all die netten Menschen? Auf allem lag irgendwie ein Gewicht und eine Schicht graue Farbe, die die Schönheit verdeckte. Selbst in meinen Schritten fühlte ich die Schwere.

Morgens aufstehen. Ich hoffe, der Tag geht schnell vorbei. Abends schlafen gehen. Hoffentlich geht morgen die Welt unter.

Essen ist nur noch Nahrung, kein Geschmack, nur eine lebensspendende Substanz, die es überall zu kaufen gibt. Es war egal, Hauptsache es sah gut aus. Menschen sind nur noch Statisten. Keine Gesichter, nur konsumierende Mitläufer. Die haben doch eh alle keine Ahnung, keine Gefühle, nur ein Herz, das jede Minute 70-mal anklopft, um zu schauen, ob du noch lebst. Sonne blendet. Computerbildschirme haben ein schönes Licht, dass kann man wenigstens noch ausschalten und in der Helligkeit regulieren.

Der Wecker klingelt, ich muss aufstehen. Ich wünschte, ich könnte nicht, doch ich kann und ich tue es. Wieder und wieder. Kurz vor 8, zur Schule laufen, Kopfhörer auf, Gedanken aus. Der Unterricht fängt an. 90 Minuten bin ich mir selbst ausgeliefert. 90 Minuten Krieg! Ich hoffe, es spricht mich niemand an.

Ich antworte mit: „Weiß ich nicht, keine Ahnung, mh.“

Wie lange noch? 80 Minuten. 80 Minuten Krieg! Ich denke. Ich denke nach, über die Menschen in diesem Raum. Was treibt sie an? Wofür sitzen die hier? Wegen mir? Nein, ich bin nicht hier wegen ihnen, sie dann auch nicht wegen mir. Denken die überhaupt? Ja sie antworten also müssen sie auch irgendwas im Schädel haben. Was ist auch egal. Ich will nicht hier sein. Keine Sekunde länger.

Wie lange noch? Ein Blick auf die Uhr. 50 Minuten. Sanitäter!

Okay, versuch zu schlafen, unauffällig. Oh, ich bin gar nicht müde. Doch eigentlich schon. Müde von dem hier. Nicht müde zum Einschlafen, sondern irgendwie anders müde. Kurz vorm Kotzen. Wie lange noch? 30 Minuten. Wo bleibt der Sanitäter? Muss ich mich eben selbst verarzten. Wo ist der Erste Hilfe Kasten? Ich frage meinen Tischnachbar. Er weiß es nicht, er muss aufpassen. Aufpassen? Okay. Sekunde, ich pass auch mal auf.

Bla bla bla bla bla. Danke wusste ich schon. Okay lassen wir das. Wie lange noch? Pause. DAAAAAANKE! Kopfhörer auf, Musik an, Gehirn aus. 30 Minuten Urlaub von mir. Was hör ich? Schnell muss es sein. Hart und dumpf, am besten mit Geschrei. Sonst hör ich mich selbst noch reden. Danke iPod, dass du mich erlöst. Augen zu. Ich sehe nichts mehr, lieber wäre ich blind, so würde ich nie wieder etwas sehen. Es gibt ja auch nichts zu sehen. Kenne ich doch alles schon längst.

Oh nein! Ich werde angesprochen. Kopfhörer ab. Verdammt ist das laut hier. Wofür um alles in der Welt störst du mich? Bla bla bla bla. Ich weiß nicht was ich antworten soll und setze meine Maske wieder auf. Danke iPod. Was der Lehrer schon hier? Nein, das kann nicht sein. 90 Minuten Krieg! Vielleicht geht es schneller vorbei, wenn ich mitmache.

Religionsunterricht. Die Lehrerin stellt eine spezielle Frage zum Thema Moral. Okay, dazu fällt mir etwas ein, das ich einem Ton Steine Scherben Song gehört habe. Ich zeige auf und werde sofort dran genommen. Mein Name ist Mensch, sagte ich. Es ist still. Keiner sagt was. War das falsch?

Danke, die Stunde ist beendet. Denis hat alles gesagt, erklärt die Lehrerin. Hey! Das ging ja schnell. Und die 1 auf dem Zeugnis. Für mich ein wertloses Papier auf dem geschrieben steht, wie „sinnvoll“ ich meine Zeit verschwendet habe. Auf der Skala von 1 bis 6. Ziemlich bescheuert.

Pause. Kopfhörer auf. Gehirn aus. Ich sollte was essen. Aber ich will nichts essen. Hunger habe ich trotzdem. Okay irgendwas mit Zucker, das hat wenigstens Geschmack. Die nächsten 2 Stunden Mathematik. Diese Schlacht verliere ich und der Tag ist gelaufen. Schule vorbei. Kopfhörer auf. Gehirn aus.

Ich stehe an der Unterführung, an der ich immer langgehe. Wo gehe ich hin? Links? Rechts? Geradeaus? Oder einfach wieder zurück? Ich weiß es nicht und bleibe stehen. Ich kenne den Weg zu meiner Wohnung, doch irgendwie will ich nicht wieder dorthin gehen und dasselbe Leben leben, dass ich gestern lebte. Es stinkt und die Leute gehen an mir vorbei, als würde ich nicht existieren. Das ist der Punkt! Bin ich überhaupt hier? Fühlt sich unecht an. Ich gehe nach Hause, Tür auf, Tasche in die Ecke. Computer an. Erst 4 Uhr. Scheiße was mach ich so lange? Ich geh duschen, da ist es warm und man hört und sieht nichts im dunkeln. Das Wasser wird einfach nicht warm. Nicht warm genug. Augen zu. Versuchen nichts zu denken. Klappt nicht.

Wenn ich tot bin, dann denke ich bestimmt nichts mehr. Mir ist langweilig. Duschwasser verbraucht. Mhhm, okay wieder anziehen. Die Klamotten kotzen mich an. Sperren mich ein. Alles sperrt mich ein. Ich versuche zu schlafen, um nichts vom gefangen sein zu merken. Es klappt nicht. Okay Computer. 2 Stunden, 3 Stunden, 4-5-6 Stunden. Danke Computer, dass du mich erlöst! Tag vorbei. Endlich ich bin müde. Hoffentlich geht morgen die Welt unter. Wecker klingelt, ich bin wach. Mist. Warum? Ich bin nie wirklich wach. Ich schlafe halb den ganzen Tag.

Alles wiederholt sich. Wenn mich jemand fragt, wie alt ich bin, antworte ich immer, 2 Tage. Denn so fühlt es sich an. Wie der Michael Hedges Song, den ich auf und ab hörte.

Das war lange Zeit meine Wirklichkeit. Taub, stumm, blind. Ich war nie wirklich da. Einfach weg. Abwesend. Auch mein Wochenende sah nicht viel anders aus. Nichts war mir etwas wert. Alles war irgendwie grau und verwest. Doch irgendwann kam ich, zu meinem Erstaunen, doch zu einer Entscheidung. Wenn man über Tod nachdenkt, dann schwebt man. Tu ich es, tu ich es nicht? Man steht immer kurz vorm Abgrund, geht den ersten Schritt und will dann doch lieber zurück, das kann ewig gehen. Bei mir einige Jahre. An die meisten Dinge kann ich mich kaum noch erinnern. Es ist, als wäre es so schlecht, dass ich es vergessen musste. Komisches Gefühl, wenn man sich nicht an sein vorheriges Leben erinnern kann. Ich habe immer nur Bruchstücke im Kopf. Irgendwann dann: STOP! Willst du leben oder sterben? Ich tat es nicht, denn ich wollte leben. 100%.

Doch ich war doch schon am Leben? Oder war ich am Leben leben? Oder vielleicht habe ich auch mein Leben verlebt. Alles egal, ich wusste, was ich nicht wollte und räumte auf. Zuerst mein Zimmer, dann meinen Computer, danach meinen Schrank, meine Freunde, meine Gedanken sowie meine Gefühle der Vergangenheit und die der Gegenwart. Ich merkte hier fehlt eine Menge in mir. Zufriedenheit. Glück. Freude. Intuition. Inspiration. Offenheit. Wo war das alles? Hatte ich das auch weggeschmissen?

Ich war dabei, mich zu minimieren. Wenn ich wissen wollte, wer ich wirklich bin, muss ich zurück. Zurück zum 0-Punkt.

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